Keyboards_MIDI  
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Sampler & Sampling
Grundlagen zur Sampling-Technologie
 

So funktioniert das Sampling
 
Um das Signal so speichern zu können, dass es jederzeit abrufbar ist, und um es in jeder erdenklichen Hinsicht manipulierbar zu machen, braucht man einen Computer. Der wiederum kann nur mit Zahlen arbeiten, also mit darstellbaren, "diskreten" Werten.
Oben das Original, unten die Umsetzung in ein Sample
Ein Klangereignis ist leider aber genau das Gegenteil: Es ist kontinuierlich und stufenlos. Die Aufgabe des Samplers ist es also zunächst, dies in eine Form zu bringen, die es für den Computer "verständlich macht". Diese Form heißt "digital" (digitus: lat. Zahl, Ziffer). Zahlenketten lassen sich mit jedem Computer speichern und manipulieren.
Der Baustein, der das Signal umwandelt, heißt  Analog/Digital-Wandler .
Wo wird Sampling eingesetzt?
Funktion des Samplers
so funktioniert Sampling Sampler History


Nyquist-Theorem
Nach einem mathematischen Theorem (Nyquist-Theorem), das nicht jeder verstehen muss, der mit Samplern arbeiten will, lassen sich mit diesem Verfahren theoretisch Frequenzen bis zur Hälfte der Sampling-Rate noch erfassen.
Das bedeutet: Bei einer Sampling-Rate von nur 20 kHz würden Frequenzen oberhalb von 10 kHz nicht mehr erfasst - die Höhen des Originals wären im Sample drastisch beschnitten. Da der menschliche Hörbereich bis maximal 20 kHz hinaufreicht, wurde - inclusive eines kleinen Sicherheitsabstands für technische Ungenauigkeiten - 44.1 kHz zur Standardrate, die heute in allen digitalen Audiosystemen maßgeblich ist.


Auflösung
Neben der Häufigkeit der Abtastung ist auch der Wertebereich für die Darstellung der Spannungsschritte von Bedeutung - die so genannte "Auflösung". Wenn der gesamte Spannungsbereich am Eingangswandler nur in vier Werte aufgelöst würde, gäbe es deutliche Treppen im Signal, die sich als Verfälschung bemerkbar machen würden.
Die Auflösung wird in Bit angegeben - für den Laien leider wenig verständlich. Standardauflösung sind 16 Bit, das entspricht einem Wertebereich von 65536 Werten. Auch hier sagt die Erfahrung, dass bereits ab 14 Bit (16384 Werte) keine nennenswerten Verfälschungen mehr wahrnehmbar sind. Da das Signal im Sampler jedoch mehrfach im Pegel manipuliert und mit anderen Signalen gemischt wird, können es eigentlich nicht genug Bits sein. Aktuelle Sampler rechnen intern schon für die Zwischenergebnisse mit bis zu 24 Bit (16 Millionen Werte).
Auf der Wiedergabeseite kehrt sich der Prozess der Eingangswandlung exakt um: Das Signal - diesmal aber transponiert, gefiltert, moduliert - wird von einem - richtig: - Digital/Analog-Wandler wieder in eine analoge Spannung gewandelt. Die - wenn auch kleinen - Stufen werden durch einen Filterbaustein geglättet. Auch wenn für penible Messtechniker ein großer Unterschied zwischen dem Originalsignal und der Sampler-Wiedergabe besteht - das Gehör stellt ihn nicht fest, und darauf kommt es letztlich an.
Übrigens: Das gesamte Verfahren wird - für Nichttechniker recht verschlüsselt - als Pulse Code Modulation (PCM) bezeichnet. Der Begriff rührt daher, dass das kontinuierliche Signal in Impulse zerlegt (moduliert) wird. Merken Sie sich einfach den Begriff - das reicht völlig.

Ein weiterer Begriff verlangt nach ein wenig Klärung: Als "Sample" bezeichnet man in der Praxis sowohl
  • ein einziges Datenwort, das beim Sampeln entsteht,
  • als auch das komplette Sample - etwa eines Klaviertones - das sich aus Tausenden dieser Datenwörter zusammensetzt,
  • als auch manchmal den gesamten Sound - "das megageile Flügelsample".
    Eine interessante Denksportaufgabe besteht dann darin, aus dem Zusammenhang abzulesen, was gerade gemeint ist.


Was ist Aliasing?
Ein Phänomen, dessen Auftreten früher die Augenbrauen audiophiler Sampler-Anwender ruckartig dem Haaransatz entgegenschießen ließ: Aliasing.
Heute sind alle Sampler und Systeme so gut, dass Aliasing als Problem weniger auftritt - dafür immer öfter als bewusst eingesetztes Mittel zum Aufrauen von Sounds.

Kurz angerissen haben wir schon das Nyquist-Theorem. Es besagt in Theorie und Praxis, dass Frequenzen oberhalb der halben Sampling-Rate vom Wandler falsch verarbeitet werden. Sie werden nicht etwa ignoriert, sondern ins Klangbild zurückgespiegelt und machen sich dort als "Scheinfrequenzen" - eben Aliasing - bemerkbar.
Beispiel: Wenn Sie mit 30 kHz Sampling-Rate ein Signal sampeln, das eine Frequenz von 20 kHz enthält, so wird diese an der halben Sampling-Rate gespiegelt und taucht bei 10 kHz im Sample auf.
Da man von niemandem verlangen kann, sich jedes Samplersignal vorher genau auf den Frequenzgang hin anzusehen, bauen die Hersteller so genannte Anti-Aliasing-Filter in die Wandler ein. Diese Filter fangen noch im analogen Zustand all die Frequenzen ab, die der Wandler nicht mehr verarbeiten kann. Das ist natürlich reine Theorie: Kein Filter ist unendlich steil. So bleibt immer noch ein Rest, den das Gehör allerdings gnädig wahrzunehmen verweigert.
Aliasing ist im besten Fall ein leichtes Sirren, kann sich aber je nach Situation zu einem unangenehmen metallischen Klangcharakter steigern. Gut zu hören ist dieser Effekt auf Sample-Streichern auf Hits der Achtziger Jahre - der Emulator-Effekt. Gezielt wird es heute eingesetzt, um Drumloops und Technosounds mit digitaler Raufaser zu tapezieren - der Fachbegriff: LoFi.
Aliasing ist also tontechnisch die Inkarnation des Bösen, musikalisch und klanglich aber nicht immer unerwünscht.